|
Seit jeher war
die Ostsee Ort eines regen
Schifffahrtsverkehrs. Schon in der
Steinzeit machten sich Menschen über die
Ostsee auf den Weg um ferne Gestade zu
erkunden oder um einen bescheidenen Handel
zu betreiben. Dieser Handel entwickelte
sich und erreicht mit der Hansezeit einen
ihrer großen Höhepunkte. Viele tausend
Segelschiffe, damals im 14. Jahrhundert
vor allem der Schiffstyp Kogge
transportierten Waren in die Hafenstädte
Lübeck, Wismar, Bergen, Riga oder Nowgorod.
Meistens verliefen die Seereisen glücklich
und die Schiffe kamen unbeschädigt in
ihren Bestimmungshäfen an. Aber manchmal
besonders im Herbst oder Winter wenn die
Ostsee von Stürmen gepeitscht wird,
versank so manche Kogge im Meer. Zahllos
sind die Wracks, die auf dem Grund der
Ostsee liegen. Einige tausend konnte man
bis jetzt kartieren und nur wenige heben
und für die Nachwelt restaurieren.
Kogge aus dem 15.
Jahrhundert
Im Jahre Anno
1354 sank vor der Poeler Westküste in der
Nähe von Timmendorf eine Kogge, vermutlich
fiel wie viele andere Schiffe in der
Ostsee einem dieser Herbststürme zum
Opfer, die auf offener See oft Orkanstärke
erreichen können. Wie mag die Besatzung um
Schiff und ihr Leben gekämpft haben, aber
alles half nicht die Kogge versank in den
Fluten der Ostsee.. Lange blieb dieses
Schiff unter einer Sandbank verschollen,
bis Herbststürme 1997 und 1998 Wrackteile
an den Strand von Timmendorf spülten.
Untersuchungen der Wrackteile, vor allem
Teile der Beplankung ergaben, das das Holz
aus dem 14. Jahrhundert stammte. Im Jahre
1999 konnte nach einer umfangreichen Suche
das Schiffswrack in zweieinhalb Meter
Tiefe, nur 150 m vom Timmendorfer Strand
entfernt von Tauchern entdeckt werden. Da
die Kogge Jahrhunderte lang unter einer
Sandbank lag, war ihr Zustand überraschend
gut. Ende 1999 begannen Archäologen mit
der Bergung der Überreste der Kogge.
Nach der Restaurierung der Wrackteile
konnte man an die Rekonstruktion des
Schiffes beginnen. Hier bei stellte man
fest das die Poeler Kogge aus Kiefernholz
in der damals üblichen Klinkertechnik
gebaut wurde. Das Holz der Kogge stammte
aus dem Gebiet der Weichsel, die
Schiffswerft konnte leider nicht bestimmt
werden. Vermutlich wurde Sie auf einer
Schiffswerft im Baltikum erbaut,
vielleicht in der alten Hansestadt Riga.
Die Rekonstruktion ergab eine neue
Bauweise der Kogge, die bis dahin
unbekannt war. Deshalb spricht man hier
jetzt nach dem Ursprungsort des Holzes
auch von einer "Baltischen Kogge". Mit
einer Länge von 31,5 m und einer
Ladekapazität von etwa 250 Tonnen war die
Poeler Kogge der erste Fund in dieser
Größe im Gebiet der Ostsee.
Seit Sommer 2000 baut der Förderverein "Poeler
Kogge" ein Schiff nach den Plänen der
Poeler Kogge neu auf. Zu Pfingsten 2004
war bereits Stapellauf und im Sommer 2005
soll die Jungfernfahrt statt finden.
Finanziert wird das Ganze auch durch
Steuergelder. Ob dies eine gute Sache ist,
vermag ich nicht zu sagen, da viele
Windjammer langsam verrotten, muss man
sich die Frage gefallen lassen ob man alte
Schiffe neu baut oder das Geld in die
Erhaltung vorhandener alter Schiffe
investiert. Aber da es sich hier ja auch um
Steuergelder handelt spielen solche
Erwägungen wohl eine untergeordnete Rolle.

Nachbau der Poeler Kogge im
Wismarer Alten Hafen

Positiv möchten wir hier trotzdem die
Arbeit des Fördervereins "Poeler Kogge"
erwähnen, der sich um Spendengelder für
den Nachbau der Poeler Kogge bemüht.
Förderverein "Poeler Kogge"
Koggenhaus / Am Hafen
23966 Wismar
 |